Tropenholz-Terrasse

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Die Leuphana-Universität Lüneburg (Leitideen "hu­ma­nis­tisch, nach­hal­tig und hand­lungs­ori­en­tiert”) ließ ihre neue Mensaterrasse aus zwei Sorten Tropenholz bauen: Ipe Lapacho und Massaranduba, Hölzer aus den Urwäldern Mittel- und Südamerikas.

Das hat uns auf den Plan gerufen: Greenpeace lehnt die Nutzung von Tropenhölzern ab, da der Handel und die Verwendung dieser Hölzer entscheidend zum Raubbau am tropischen Regenwald beiträgt. Um jährlich 12 Millionen Hektar schrumpfen die Wälder weltweit, was verheerende Auswirkungen auf die Artenvielfalt und das Weltklima hat. Umso fassungsloser nahmen wir zur Kenntnis, dass die Lüneburger "Nachhaltigkeits-Universität" offenbar noch nie von der Problematik gehört hat oder ihr diese gleichgültig ist. Als Alternativen zum Tropenholz für Terrassen eignen sich z. B. Douglasie oder Eiche. Selbst bei einer kürzeren Haltbarkeit einheimischer Hölzer - bei denen das FSC-Siegel verlässlicher ist - sind diese immer umweltfreundlicher als Tropenholz aus Regenwaldrodung. 

Man erzählte uns bei einem Termin am 22. Mai 2019 an der Uni ausführlich von den Vorteilen und positiven Eigenschaften des Materials Tropenholz. Dies werten wir als Hinweis darauf, dass das Problem der Tropenwaldzerstörung keine Priorität bei der Auftragsvergabe hatte. Auch das angeblich vorhandene FSC-Siegel ist kein Garant für eine naturgemäße Waldwirtschaft in den Tropen: Mit dem Segen dieses Siegels fallen Holzfäller in die letzten unberührten Wälder ein und nehmen Indigenen und seltenen Tieren ihren Lebensraum. Der Tropenwaldschwund hat durch FSC überhaupt nicht nachgelassen. Bei dem Gespräch am 22. Mai in der Universität durften unsere Aktivist*innen die Unterlagen mit dem FSC-Siegel nicht einmal einsehen, stattdessen bat der Pressesprecher der Unviersität, ihm doch einfach zu vertrauen! 

"Die untersagte Akteneinsicht lässt Raum für Spekulationen" so unsere Mitstreiterin Jeanne Freitag. "Wenn wirklich alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, gäbe es keinen Grund für die Universität, Umweltverbänden die Einsicht in die Unterlagen zu verweigern." Unglaublich klingt es für uns, dass die Leuphana-Uni noch nicht einmal das Land kenne, in dem das Tropenholz eingeschlagen wurde. Thilo Clavin, Wald-Ansprechpartner bei Greenpeace Lüneburg: "Dem intransparenten Verhalten der Universität nach zu urteilen, müssen wir davon ausgehen, dass die verwendeten Tropenhölzer Ipe Lapacho und Massaranduba aus Tropenwald-Raubbau stammen. Diese Baumarten wachsen u. a. im Amazonas-Regenwald. Rückfragen bei Sachverständigen bestätigten uns, dass es sich dabei um "Problemhölzer" handelt, deren Herkunft und Lieferkette nicht nachvollziehbar sind."

Greenpeace Lüneburg fordert daher, dass die Leuphana Universität allen interessierten Umweltverbänden Akteneinsicht gewährt und künftig komplett auf Tropenholz verzichtet. Sollte die Leuphana bei ihrem bisherigen Standpunkt bleiben und weiter Auskünfte verweigern, werten wir das als einen weitereren Beweis dafür, dass in Lüneburgs Universität viel von Nachhaltigkeit geredet, aber nicht danach gehandelt wird.

Wir bitten alle öffentlichen und privaten Konsument*innen eindringlich, bei Bauvorhaben - wenn es überhaupt Holz sein muss - auf einheimische FSC-Hölzer zurückzugreifen (für Holzprodukte aus Mitteleuropa ist dieses Siegel einigermaßen verlässlich) und Tropenhölzer zu meiden.

Weitere Informationen zur Kritik von Greenpeace am FSC-Siegel finden sich hier: https://www.greenpeace.de/themen/waelder/maengelexemplar-qualitaetssiegel

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